Werner Wilmes

Video · Reisefotografie · Musik · Blog

Sassnitz

Titelbild Album Sassnitz, Foto vom Strand mit dem Schriftzug Sassnitz und einem Deko-Leuchtturm.

Anfang Mai. Meine Fähre nach Bornholm war für den 2. gebucht, der Wagen gepackt, die Kameras bereit für „Bornholm – Tage im Mai„.

Zwei Tage vorher stand ich schon in Sassnitz, und ich hatte mir vorgenommen, diese Zeit nicht einfach verstreichen zu lassen. Ein Trailer für das Musikvideo sollte entstehen, Bilder vom Hafen, von der Mole, vom Warten auf die große Überfahrt. Also nahm ich mir die Zeit, mir die Stadt und ihre Häfen genau anzusehen – morgens, tagsüber, abends, wenn das Licht über der Ostsee kippt und alles in Blau taucht.

Sassnitz ist eine Stadt, die vom Meer lebt, seit es sie gibt. Ihre Geschichte reicht bis in die Bronzezeit zurück, aber das Sassnitz, das man heute kennt, entstand erst 1906 aus dem Zusammenschluss des alten Fischerdorfs mit dem Bauerndorf Crampas.

Fischerdorf – das ist der entscheidende Teil. 1889 wurde der Hafen gebaut, der erste an der Rügener Küste, der auch Schiffen mit größerem Tiefgang Schutz bot. Im selben Jahr bekam Sassnitz das Stadtrecht. Von da an ging es schnell: Sassnitz wurde zum wichtigsten Fischereihafen der Insel, nach dem Krieg mit dem Fischkombinat auf dem Höhepunkt seiner Bedeutung. Die 1,4 Kilometer lange Steinmole, zwischen 1889 und 1912 gebaut, war bis 2013 die längste Mole Europas. Man geht sie entlang und merkt, wie viel Arbeit, wie viel Beharrlichkeit in diesen Steinen steckt.

Viel von dieser alten Größe ist heute Geschichte. Nach der Wende brach die Fischerei fast vollständig zusammen, aus dem einstigen Fischkombinat wurde ein Hafen, der sich neu erfinden musste – zwischen ein paar verbliebenen Kuttern, Fischereimuseum und Tourismus. Genau dieses Nebeneinander macht ihn interessant: Auf der einen Kaimauer trocknen noch Netze, auf der anderen sitzen Ausflügler im Café. Dazwischen der Leuchtturm, die Mole, das Wasser, das sich morgens in einem Blau färbt, das man kaum für echt hält.

Die meisten Fotos in diesem Album stammen aus genau diesem Hafen – Kutter, Kaimauern, Leuchtturm, das Licht der blauen Stunde, das ich an zwei Morgen und zwei Abenden eingefangen habe, als der Himmel noch nicht entschieden hatte, ob er Tag oder Nacht sein wollte. Was aussieht wie fotografiert, ist in Wahrheit Filmmaterial. Stills aus dem Video, Bild für Bild herausgezogen. Man sieht es den Fotos nicht an. Vielleicht, weil ein Hafen wie dieser sowieso in jedem einzelnen Moment ein fertiges Bild ist.

Zum Schluss des Albums wechselt der Blick nach Mukran, ein paar Kilometer südlich. Wo der Stadthafen von Handarbeit und Fischerei erzählt, erzählt Mukran von einer ganz anderen Epoche: Ab 1982 wurde hier eines der letzten großen Verkehrsprojekte der DDR gebaut, zwei Milliarden Ostmark schwer, gedacht als Eisenbahnfähre in Richtung Klaipėda, um den langen und riskanten Transitweg durch Polen zu umgehen.

Die alte Bahnfährverbindung nach Trelleborg, die berühmte „Königslinie“, gab es da schon lange – seit 1909 fuhren hier Züge direkt mit dem Schiff nach Schweden. Mukran übernahm diese Tradition und baute sie aus. Heute legen von hier die Fähren nach Trelleborg und nach Bornholm ab – auch meine, am 2. Mai. Ein Hafen, mit dem ich also nicht nur gefilmt, sondern auch selbst eine Verbindung habe.

Zwei Häfen, zwei Zeiten, eine Stadt dazwischen. Und zwei Tage, die ich mir genommen habe, bevor die eigentliche Reise überhaupt begann. Das fertige Musikvideo, für das diese Bilder als Trailer entstanden sind, findet ihr hier und unten verlinkt.

Panoramablick auf den Hafen Sassnitz von Süden bei Sonnenschein.
Blick von Süden auf den Hafen Sassnitz. Die Stadt liegt oberhalb des Hafens.

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