
Werner Wilmes

Manchmal ist ein Film so voll mit Bildern, dass einzelne davon fast untergehen. Momente, an denen die Kamera nur eine Sekunde verweilt, obwohl sie eine Ewigkeit wert wären. Genau deshalb gibt es dieses Album.
Die 76 Fotos, die hier auf euch warten, sind keine gewöhnlichen Schnappschüsse. Ich habe sie aus meinem hochwertigen Videomaterial gewonnen, aufgenommen in 6- bis 8K, und einzeln bearbeitet – jedes für sich ein Standbild, das auch ohne Film bestehen soll. Ausgewählt habe ich sie ausschließlich nach fotografischen Gesichtspunkten: nach Licht, nach Komposition, nach Stimmung. Es sind, wenn ich das so sagen darf, starke Bilder.
In eine Reihenfolge gebracht habe ich sie trotzdem nicht zufällig. Sie folgen dem Verlauf meiner Dokumentation „Bornholm – Tage im Mai”, von der Ankunft mit der Fähre in Rønne bis zum Abschied im Hafen von Nexø. So wandert ihr beim Durchklicken einmal quer über die Insel und durch drei Wochen im Mai: die weiß getünchten Rundkirchen aus Granit, die vier Leuchttürme, die Findlinge und Trollwälder, die Räuchereien und stillen Fischerhäfen, die Burgruine Hammershus im Abendlicht und die Erbseninseln ganz im Osten, wo die Kegelrobben auf den Felsen liegen.
Bornholm ist eine Insel des Lichts. Die blaue Stunde vor Sonnenaufgang, wenn die Orte noch schlafen. Die tief stehende Abendsonne, die den Granit zum Glühen bringt. Der Sternenhimmel über alten Mauern. Für einen, der wie ich am liebsten der frühe Vogel ist, war das drei Wochen lang ein einziges Geschenk. Vieles davon ist in diese Bilder eingeflossen.
Ich arbeite gern in Ruhe, ohne Hektik, wetterabhängig und flexibel. Drei Wochen habe ich mir Zeit genommen, und wer Bornholm kennt, weiß, dass die Insel auf dieser Fläche mehr zu erzählen hat, als drei Wochen fassen können: Geologie, die über eine Milliarde Jahre zurückreicht, ein Stück Kriegsgeschichte, das dem Rest Dänemarks ein Jahr voraus war, und dazwischen die kleinen, stillen Dinge – ein Schwan vor der Küste, eine Möwe auf dem Dachfirst, das Licht auf einem Räucherei-Dach am Abend. Als Einzelkämpfer, der Planung, Kamera, Schnitt und Musik in einer Person vereint, habe ich jedes dieser Bilder selbst gesucht, gefunden und gestaltet. Das ist Arbeit, ja. Vor allem aber ist es Leidenschaft.
Jedes Foto trägt eine kurze Bildunterschrift, die euch verrät, wo ihr euch gerade befindet und was es dort zu sehen gibt. Wer tiefer eintauchen möchte, findet in meinem Blogbeitrag „Bornholm – Tage im Mai” die ganze Geschichte in Ruhe erzählt – und im Film erst recht. Denn am Ende ist ein Foto ein festgehaltener Augenblick, aber ein Film eine ganze Reise.
Ich wünsche euch viel Freude beim Betrachten. Nehmt euch Zeit, so wie ich sie mir vor Ort genommen habe. Bornholm hat sie verdient.
Schau dir die gesamte Dokumentation an mit sehr informativen Kommentaren und wundervoller Musik. Ein Genuss für Augen und Ohren.
Dieses Musikvideo entführt dich an einen Traumstrand im Süden der Insel Bornholm.