Der Berlin-Marathon war mein erster. Seit 1985 war es mein heimlicher Wunsch, so etwas mal zu machen. Bei wieder mal zu viel Körpergewicht, etwa 80 Kg, entschloss ich mich im Grunde viel zu kurzfristig, den Marathon 1989 zu laufen. Es gab zuvor nur 10-Kilometer-Läufe und einen 20-Km-Volkslauf in Spandau. Anfang Juli 1988 begann ich dann mit dem Training mit dem Ziel, 73 Kilogramm Gewicht zu erreichen. Als ich dann einen guten 10.000m-Lauf schaffte, entschloss ich mich für den Marathon. Mir blieben nur noch 6 Wochen Zeit. Das ist viel zu wenig, ich wusste das, habe es aber trotzdem gemacht.

Es war ein kalter Tag, der 9. Oktober 1988. Hier die Notizen, die ich mir nach dem Lauf damals gemacht habe:

5 Uhr 30 aufstehen.

6 Uhr Frühstück: 1 Kartoffel + Apfelmus + Tee

8 Uhr 10: Ankunft am Berliner Reichstag, Menschen, Menschen, Menschen. Zunächst Anstellen an einer der Toiletten-Schlangen.

8 Uhr 50 zum Start, ´ne Menge Menschen !!!

9 Uhr 00 Start, der regierende Bürgermeister Diepgen winkt den Läufern zu.

9 Uhr 01:30 Jetzt schon durch, ich hatte mit 5 Minuten Startverzögerung gerechnet.

Bis zur Siegessäule nur Enge, wie Schweinetreiben. Nach Moabit beginnt der Rhythmus. Ich lasse andere laufen, deren Tempo ist mir egal.

Bellevue, erstes Wasser, gut so !

Ku-Damm, Nieselregen setzt ein.

Olivaer Platz, mehr Regen, keine Probleme.

Ich sehe Jörg Bormann mit seiner Frau.

Jetzt merke ich die Kilometer!

Urania, erste Müdigkeit, es geht nach Kreuzberg

Die türkischen Zuschauer sind langweilig (Potsdamer Brücke) Ich denke nur an den Südstern.

Kochstraße zu sehen.

Ich bin zu früh am Südstern, 10 Uhr 42, 9 Minuten unter Zeitplan. Mein Kollege Wolfgang Busemann wollte hier stehen. Nix iss...

Mehringdamm, dann Yorkbrücken (Halbmarathon).

Grunewaldstraße, ich denke an den Steglitzer Kreisel, dort will meine Familie stehen.

Innsbrucker Platz vorbei.

Bierpinsel, wieder mal Tränen in den Augen, denn die Faszination ist überwältigend. Unter der Brücke scheint es so, als klopfen mir 1000 Menschen auf die Schultern.

Kreisel, Hoppegarten, keine Familie in Sicht. Frust. Jetzt wird´s schwierig. Unter den Eichen sind die Beine schwer, kaum Zuschauer dort.

Thielallee, noch mehr Blei in den Beinen.

Gehpause bei Km 34.
Roseneck bei Km 36,5. Ich laufe wieder und sehe meine Frau. Ich könnte aufgeben, doch sie ruft: "Du schaffst es, weiter!"

Es tut jetzt weh, Schmerzen, Fehrbelliner Platz.

Brandenburgische Straße, ich gehe, eine Frau sagt zu mir: "Sie werden kalt."

Es regnet immer noch, es ist kalt!!!

11° Grad plus, Nässe. Besser ich laufe.

Ich sehe die Zuschauer am Kudamm !!!

Ich kann nicht mehr aufhören zu laufen, Faszination pur, die Zuschauer tragen mich förmlich.

Der Zieleinlauf, die Medaille !

Ich friere, bekomme eine Plastikfolie zum Zudecken, dann werde ich massiert. Ich bin völlig fertig, aber ich habe Tolles geleistet.
 
 
Startnummer:  L650Platz: 12428
Platz in der Klasse M30: 1761
Zeit: 4:29:53
Geschwindigkeit: 9,38 km/h
Zeit pro km: 6:24 min

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