Hanse-Marathon 1989

23. Mai 1989
Er war nicht mein erster, aber er war ein Marathon mit einem hohen Stellenwert für mich, wenn ich aus heutiger Sicht
über sportliche Erfahrungen nachdenke. Nach dem Erstling Berlin, ein halbes Jahr zuvor, und dem schnellen 25deBerlin-Lauf vom 7. Mai war ich in sehr guter Form. Nach meiner Rückkehr nach Berlin habe ich damals meine noch frischen und euphorischen Eindrücke mit der Schreibmaschine aufgetippt. Nun landen die Zeilen 17 Jahre später in meinem PC und auf dieser Seite. Die Fotos hat Norbert Bucek gemacht, der mich mit seinem Wohnmobil begleitet und somit unsere gemeinsame Herberge gleich mitgebracht hatte.
 
 
Welch ein Erlebnis !!! Das war ja so schön, so toll, dabei bleib ich!

Eingerahmt in ein Wohnmobil-Wochenende mit Norbert geht es an den Hanse-Marathon. Vorher, am Freitag, entdecken wir den Pipersee unweit von Mölln. Samstag holen wir die Startunterlagen und landen anschließend im "Alten Land".
Sonntag folgt der Marathon, dann geht´s wieder zum Pipersee. Dort paddeln wir und beobachten brütende Wasservögel. Anschließend gibt es Steaks, viel Bier und einen späten Abend. Montags besuchen wir vor der Heimfahrt noch Mölln. Ein Superwochenende bei Traumwetter!

Das ist es ja, dieses Traumwetter....

Zu traumhaft für einen Marathon, denn im Ziel sind 24 Grad Celsius genauso zuviel wie die 20 Grad beim Start. Vorgenommen hatte ich mir 3 Stunden 30. Ob ich die schaffen kann?

Der Start klappt vorzüglich. Nach 55 Sekunden bin ich über die Startlinie. Mit fällt die tolle Begeisterung der Zuschauer auf. An der Reeperbahn tobt ein Volksfest. "Gar nicht so kühl, diese Hanseaten", denke ich. Bei Km 6 in Othmarschen bin ich in meiner Marschtabelle. Es läuft gut. Ich suche immer den Schatten. Die Feuerwehr sprüht Wasser auf die Läufer und Kirchenglocken läuten für die Marathonis. "So kann sich die Kirche Freunde schaffen", denke ich. Von der Bernadottestraße geht es auf die Elbchaussee zurück zur Reeperbahn. Bei Km 12,5 sehe ich Norbert an der Strecke. Er hat vor lauter hüpfenden Läufern den Überblick verloren. Er sieht mich erst, als ich neben ihm bin. Zu spät für ein Foto.

"Eine Traumstrecke ist das hier, optisch genauso faszinierend wie die Stimmung", geht es mir durch den Kopf, als ich die Landungsbrücken und den alten Elbtunneleingang sehe. Ein langer Straßentunnel ist es, der nach 15 Km einen neuen Eindruck vermittelt. Dort stehen keine Zuschauer, die Sonne ist verschwunden und man hört nur das leise Geräusch von einigen hundert gut gedämpften Schuhsohlen. Ich selbst laufe rund wie ein Sechszylinder. Kurz darauf beginnt die Runde um die Binnenalster. Ich winke dem Publikum zurück. Nun ahne ich, dass dieser Zuschauerstrom bis zum Ziel nicht mehr abreißen wird. 700.000 sollen es laut BILD-Hamburg gewesen sein. Wenn ich dieser Zeitung sonst nichts glaube, dieses Mal muss das Blatt Recht haben.

Als ich nach Km 21 die Außenalster verlasse, wird es langsam schwerer und wärmer! Dennoch, das Tempo stimmt und ich liege teilweise über 2 Minuten vor meiner Marschtabelle. Dankbar nehme ich jede Kühlung an. Erfrischend sind die Wasserduschen aus den Schläuchen der Hamburger Feuerwehr und vieler Gartenbesitzer. Ab Km 25 werde ich langsamer. Mein Vorsprung auf meine Tabelle beträgt nur noch eine Minute. Ich kämpfe noch gegen den Zeitverlust an.

Ein großes Schild wird von zwei Menschen gehalten auf dem steht "Jesus Christus kommt bald zu Dir". "Hoffentlich nicht", sage ich mir schmunzelnd. In Alsterdorf bei Km 28 liege ich noch in der Zeit. Doch die City-Nord ist brütend heiß. Viel Beton gibt es hier, die Straßen sind breit und die wenigen Bäume können keinen Schatten spenden. Mir ist klar, dass ich meine Zeit nicht halten werde.

Obwohl es jetzt schwerer wird, genieße ich die schier unglaubliche Stimmung hier im Norden der Stadt. Gejohle, Klatschen, Jubeln und Musik, das alles wird von meinen Ohren aufgesogen. Und immer wieder peile ich die Wasserschläuche an. Die nasse Kleidung kühlt, doch nach 300 Metern ist alles wieder trocken. An den Verpflegungs- und Wasserstellen lasse ich mir jetzt Zeit. Ich will diesen Marathon durchstehen und mich nicht übernehmen.
Wo bleibt die nächste Km-Tafel? Am Eppendorfer Baum ist Straßenfest. Hier ist ein Zuschauergedränge wie beim ausverkauften Pokalendspiel. Die Hamburger feuern die Läufer an: "Olé, olé, olé" , "Ihr seid spitze" , "Ihr schafft es" , "Ihr seid gleich da" usw.

Dann endlich, die Außenalster rückt ins Blickfeld. Jetzt kann man das Ziel schon fast riechen. Als ich die Alster verlasse, ist nur noch gut ein Kilometer zu laufen. "Lächerlich", sage ich mir. Jetzt geht´s prima. Dann noch eine Linkskurve, der Fernsehturm, das Zielband!!!

Ein sagenhaftes Gefühl stellt sich ein.

Die Zeit: 3:37:50

Ich bin zufrieden. Das ist eine gute Zeit bei der Wärme. Und noch eines: getrunken habe ich Energiedrinks statt Wasser. Das war eine gute Entscheidung, denn ich fühle mich schon kurz nach dem Ziel topfit. Und das bleibt auch so. Ich bin überrascht, wie gut ich diesen Lauf überstanden habe. Das Einzige, was am nächsten Tag weh tut, ist.....

...ein Sonnenbrand.

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